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Vintageinspirierte Mode mit Gewissen: King Louie

Kleidung des Vintage Labels King Louie

Fragt man in der Redaktion des Vintage Flaneurs nach gut im Alltag tragbarer vintageinspirierter Mode, so kommt ganz sicher wie aus der Pistole geschossen die Antwort „King Louie“ – nicht umsonst, unser Frl. Dovermann setzt als „working Mum“ privat viel auf das niederländische Label. Richtig schön sind die Kleider noch dazu, wie das Cover der Ausgabe 16 des Vintage Flaneurs eindrucksvoll beweist. Was viele nicht kennen, ist die spannende Geschichte und die Ethik hinter diesem Unternehmen. Wir wollen sie Ihnen erzählen.

Die Geschichte des Vintagelabels King Louie

Schon 1981 gründen Ann Berlips und George Cramer (sie waren damals 22 und 26 Jahre alt) ihre Firma in Amsterdam. Als echte Vintagefans suchen sie Vintage Kleidung und verkaufen sie sehr erfolgreich auf dem Noordermarkt in Amsterdam. Dazu haben sie noch Nebenjobs und studieren beide. Ihr Konzept funktioniert so gut, dass der Kleidungsvorrat bald nicht mehr bei Ann auf den Dachboden passt. So eröffnen Ann und George 1983 ihren ersten Laden in Amsterdam und nennen ihn „Exota“, nach einer 50er-Jahre-Limonadenmarke. Sie verkaufen dort eine bunte Mischung aus Vintagekleidung, Second Hand-Stücken und eigenen Entwürfen.

Ihre selbstentworfene Kleidung kommen dabei so gut an, dass George und Ann ihr eigenes Label auf den Markt bringen wollen. Einen passenden Namen zu finden ist nicht so einfach, doch der Name von einer Vintage Bowling Shirt-Marke gefällt ihnen so gut, dass sie ihre Marke auch „King Louie“ nennen. Ein schwarzer Rollkragenpullover aus Baumwolle ist der erste Entwurf, der diesen Namen trägt. Solche Pullover wurden in den 80er Jahren, ganz „jazz“, zu einer Levi’s 501 und einem breiten Gürtel getragen – das war so modern, dass es einfach nicht genug „true vintage“ Rollkragen gab.

1987 richten die zwei bereits ihren eigenen Großhandel ein und damit beginnen auch andere Geschäfte mit dem Verkauf der King Louie-Kleidung. Das Sortiment wird einige Jahre später um die Kinderlinie Petit Louie erweitert – sie ist natürlich ebenfalls vintageinspiriert.

1992 zieht das Ladengeschäft „Exota“ um – der alte Laden ist inzwischen viel zu klein. Es geht in die Negen Straatjes, die sich zu einem der schönsten Einkaufsviertel von Amsterdam entwickeln. Und dort ist Exota auch heute noch dort zu finden. Und nicht nur mit einem Laden, denn auch dieser erste Shop bietet bald nicht mehr genug Platz für die wachsende Kollektion von King Louie. Deswegen eröffnet ein zweites Exota-Geschäft schräg gegenüber dem ersten.

Auch das Internet kommt mehr und mehr auf und King Louie bekommt 2008 seinen Online-Shop. Ganz im alten Stil werden Bestellungen aus diesem innerhalb von Amsterdam zu Beginn noch mit dem Transportfahrrad zugestellt. Und nicht nur hier besinnt sich King Louie auf alte Wurzeln: Bis heute – das heißt seit über 30 Jahren – ist King Louie immer noch jeden Montag und Samstag auf dem Noordermarkt in Amsterdam. (Lesen Sie unter dem Bild weiter…)

Aus der aktuellen Kollektion des Retro Modelabls King Louie
Aus der aktuellen Kollektion des Retro Modelabls King Louie

Nachhaltigkeit und soziales Engagement bei King Louie

Und so wächst King Louie bis heute. Es folgen weitere Kollektionen wie die Ledertaschenkollektion, Vintage-Sandalen oder Schmuck. Inzwischen gibt es das Label fast in ganz Europa zu kaufen. Einiges ist George und Ann aber bis heute wichtig und ändert sich sicher nicht: Sie wollen der Kleidung sowie den Herstellern und Mitarbeitern Beachtung schenken. Viele der heutigen Mitarbeiter sind schon von Anfang an bei King Louie tätig.

Zudem arbeitet das Label nur mit Herstellern zusammen, die gute Arbeitsbedingungen sicher gewährleisten. King Louie ist deswegen 2015 der „Fair Wear Foundation“ beigetreten. Dabei handelt es sich um eine unabhängigen Organisation, die sich für die stetige Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Kleidungsindustrie einsetzt. Dazu kontrolliert die Foundation streng, dass die Produktionsstätten keine Kinderarbeit und keine übermäßig langen Arbeitszeiten zulassen und dass alle Mitarbeiter unter unbedenklichen und sicheren Umständen arbeiten. Bei Reisen in die Türkei und nach Asien überzeugt dich das Label jedes Jahr selbst von den Umständen. King Louies größter Lieferant, mit dem das Label schon seit über 20 Jahren zusammen arbeitet, ist ein Hersteller, dessen Inhaberin sich bereits seit Jahren für die Gleichberechtigung von Frauen einsetzt.

In diese Richtung soll es auch weitergehen. 10 % der Kleidung von King Louie haben derzeit ein GOTS-Zertifikat (d.h. Global Organic Textile Standard). Das bedeutet, dass die Kleidung dank biologischer Fasern und entsprechender Produktionsverfahren hundertprozentig nachhaltig ist. Dazu kommen, ganz neu, Kleider aus recyceltem Polyester, die aus alten PET-Flaschen hergestellt werden. Beeindruckend, oder? (Lesen Sie unter dem Bild weiter…)

King Louie bietet Strickjacken in toller Qualität - Foto aus Ausgabe 16 by Vanessa Marie Fotografie, H&M Melanie Draeger, Model Julia Rockets, Rock via Fräulein Backfisch.
King Louie bietet Strickjacken in toller Qualität – Foto aus Ausgabe 16 by Vanessa Marie Fotografie, H&M Melanie Draeger, Model Julia Rockets, Rock via Fräulein Backfisch.

 

Des Vintage Flaneurs Meinung

Wir hatten das Glück, George bei einer Berlin Fashion Week über den Weg zu laufen – und so können wir aus dem Nähkästchen plaudern, dass er bei allem Erfolg ein sehr netter und umgänglicher Mann mit stilsicherem Auftreten ist. Dazu finden wir es vorbildlich, sich so sehr für bessere Bedingungen in der Modeindustrie einzusetzen. Dementsprechend legen wir Ihnen dieses farbenfrohe, vintageinspirierte Label mit ethischem Hintergrund und einer echten Geschichte gern und mit gutem Gewissen ans Herz. Und sollten Sie, liebe Leser, sich mal in Amsterdam aufhalten: Schauen Sie unbedingt in den Negen Straatjes und in den Exota-Läden vorbei, die Shops alleine bieten Ihnen schon viel Wundervolles. Aber dazu stimmt es, dass das ganze Viertel wunderschön ist und man dort Amsterdam von seiner schönsten Seite erlebt.

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Vintagemode in der Schwangerschaft

Liebe Flaneure (und in diesem Fall besonders: Flaneurinnen),

seit wir beschlossen haben, mit meiner, Frl. Dovermanns, Schwangerschaft offen umzugehen, werde ich immer wieder von Leserinnen des Vintage Flaneurs auf Vintagemode in der Schwangerschaft angesprochen, also, danach gefragt. Nur fürchte ich: Da ist (auch für mich) guter Rat teuer.

Wir halten fest:

1. Selbst wenn man es hat – wer möchte schon für wenige Wochen, im höchsten Falle Monate (je nachdem wie sehr man sich wie schnell verändert) Unsummen an Geld ausgeben?

Vintagemode Schwangerschaft
Ich gehöre (leider) wirklich nicht zu den fotogenen Menschen – aber vielleicht gibt Ihnen das einen Eindruck, womit ich mich Kleidertechnisch über Wasser halte. Hier ein Jerseykleid, eigentlich etwas kurz für meinen Geschmack, aber ich mag den Kragen.
Vintagemode Schwangerschaft
Und eine Kombination aus einer originalen Bluse (Frl. Glitter Boutique) und einer Strickjacke und einem Jerseyrock (H&M)

2. Originale sind, abgesehen davon, dass sie oft teuer sind, selten und (was noch wichtiger ist): So sehr die „normale“ Mode von damals der Dame von Welt geschmeichelt haben mag, Umstandsmode wurde einfach zeltartig abgetan – nicht schön. Und sicher nicht das, was ich gerne tragen möchte.

3. Das gleiche Problem ereilt mich aber in dem, was mir die moderne Mode anbietet: ich stehe einfach nicht auf Hängerchen – da sieht frau doch gleich noch viel breiter aus?!? Und auch ansonsten, seltsame Sprüche oder Prints auf sehr weiten T-shirts, Umstandshosen (sehr praktisch, zugegeben, aber nichts in Schnitten in denen ich mich gerne sehe), das ist alles nichts, was ich gerne anziehen mag – und ich mag mich auch nicht die nächsten Monate schlecht angezogen fühlen. Es ist schon schwierig genug, sich mit seinem ständig verändernen Körper anzufreunden – ständig schwanke ich zwischen „wie schön so ein schwangerer Körper ist“ und „mein Gott, wie plump ich geworden bin..“. Da ist es besonders wichtig, sich in seiner Kleidung wohlzufühlen, denke ich.

4. Und: Alle Regeln des Ankleidens, mit denen man in seinem sonstigen Leben gut fährt, die man sich in vielen Jahren des „Trainings“ angeeignet hat, gelten plötzlich nicht mehr. Ich selber habe mich immer in überknielangen Röcken am wohlsten gefühlt. Durch die veränderten Proportionen, besonders durch die nach oben verlagerte Taille (ich will mich nicht beschweren – immerhin hat sich meine Taille bislang gut gehalten..) funktioniert das plötzlich nicht mehr – auf einmal wirken Röcke, die kurz über dem Knie enden, eleganter, Röcke die unter dem Knie enden (die sowieso für Schwangere kaum zu finden sind) sehen seltsam aus: Der Oberkörper wirkt viel zu kurz.

Mit anderen Worten: Es ist schwierig. Was ist zu tun?

Erwarten Sie jetzt bitte keine Lösungen von mir – im Gegenteil, wenn Ihnen etwas Sinniges dazu einfällt bin ich Ihnen ebenso dankbar wie die Frauen, die mich ratsuchend angeschrieben haben. Aber ich will Ihnen wenigstens meine Behelfslösungen, die (zumindest bislang noch) funktionieren, nicht vorenthalten.

Ich habe angefangen, auf Jesery zurückzugreifen. Da gibt es (meistens nicht mal in der Schwangeren- sondern in der „normalen“ Abteilung“) hilfreiche Pencilskirts, die mir zumindest derzeit auch noch gut passen. Auch Pencilkleider aus Jersey – im besten Falle nicht zu kurz aber etwas kürzer, als ich sie gewöhnlich trage – helfen mir durch den Alltag. Strickjäckchen muss ich etwas größer kaufen als normal und ewig wird das sicher nicht gehen, aber so klappt es im Moment ganz gut. Besonders toll: Blusen. Viele echte Vintageblusen sind sehr weit geschnitten, das ist schon sehr hilfreich. Und auch was mir da derzeit von der Modeindustrie angeboten wird ist toll – Chiffonartige Stoffe, oft mit Schluppe oder gefältelt, aber ohne Hemdkragen (eben so, wie ich es mag) und vielfach weit geschnitten: Sehr praktisch wenn man im 7. Monat schwanger ist.

Das Styling wie immer und schon kommt man sicher nicht mit best-dressed Award aber doch zufriedenstellend gekleidet bis hierhin durch. Und wie es in 2 Monaten ist, werde ich ja dann sehen.

Lediglich der Problemfall „Schuhe“ bleibt.. (Schnüren wird nicht einfacher und die Füße werden schnell dick ;-))

Also konkret, wo kaufe ich gerade:

Niemals in üblichen Mama-Läden, die Sachen dort fand ich (man möge es mir verzeihen) – nicht zu mir passend.

king
King Louie – ich selber habe andere Modelle die passen, ich würde es also probieren. Ein tolles klassisches Kleid für den Winter, vielleicht mit einer beerenfarbenen Strickjacke..

Mein ungeschlagener Platz 1: King Louie. Das Label verwendet viele feste Jerseystoffe oder Strick – in tollen, oft nostalgischen Schnitten. Es ist keine echte Schwangerschaftsmode aber das heißt ja im Zweifel vor allem, dass ich die Kleidung auch nach der Schwangerschaft noch tragen kann – und in diesem Fall hab ich sogar Lust darauf.

Platz 2: H&M. Ich weiß, politisch schwierig. Aber ich habe noch keine Frau kennengelernt, die während der Schwangerschaft nicht auf diese günstige Möglichkeit zurückgegriffen hätte. Und eins muss man H&M ja lassen: Sie haben oft sehr schöne klassische Blusen, die mir vielfach auch jetzt noch passen. Und preiswerte Jerseyröcke.

Asos
Klassisch schwarz, unten ausgestellt – damit kann man doch arbeiten, endlose Kombinationsmöglichkeiten.. Und da der Preis nicht hoch ist, ist es nicht schlimm wenn man es nur eine Weile tragen kann

Platz 3: ASOS Maternity. Wenns dann doch mal an die echte Schwangerschaftsmode geht. ASOS bietet mir da immer wieder klassische Schnitte, schöne Längen, Materialien wie Spitze und das im besten Fall zum überschaubaren Preis.

Wenn Sie dem noch etwas hinzuzufügen habe: Sehr gerne! Immerhin bin auch ich in diesem Fall nur eine „Hilfesuchende“, und für ehrliche Hinweise dankbar. Ansonsten hoffe ich, vielleicht selber ein wenig hilfreich gewesen zu sein.

Mit liebsten Grüßen, Ihr

Frl. Dovermann

Mehr tolle Vintagemode für die Schwangerschaft finden Sie z.B. auch in Ausgabe 23 des Vintage Flaneurs.